Christian Lohse: Einer der auszog, das Kochen zu lieben

Christian Lohse wird 1967 in Bad Oeynhausen geboren. Der bekennende Ostwestfale nimmt die Charaktereigenschaften Ruhe und Gelassenheit quasi mit der Muttermilch auf – und entwickelt sie im Laufe seines Lebens zu einer gewissen Sturheit weiter. Von seinen Eltern bekommt er Bodenständigkeit mit auf den Weg, von Oma Elisabeth das warme Herz und von Onkel Willi die Prinzipien sowie das französische Savoir-vivre. Letzterer ist es auch, der ihn den Respekt vor dem Tier lehrt: Denn der Spagat zwischen niedlichem Haustier auf der einen und Schlachtung, Tod und Genuss auf der anderen Seite ist ebenso groß wie unabdingbar – gerade auf dem Land.

Lohse lernt

Nach unaufgeregtem Abitur und „Probestudium“ in Geschichte und Französisch reift in Lohse ein Entschluss. Er will seiner Leidenschaft nachgehen und es mit einer Kochausbildung zu versuchen. Und wo sollte das besser gehen als in Frankreich? Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und jugendlicher Naivität im Gepäck macht sich Lohse auf den Weg nach Dijon. Nicht ahnend, dass eine Kochlehre viele Parallelen zu einer militärischen Ausbildung aufweisen kann und die Franzosen nicht unbedingt auf einen kecken Alemannen gewartet haben.

Obwohl dem jungen Lohse mit gehöriger Skepsis begegnet wird, gewöhnt man sich schließlich aneinander: Jean-Pierre Billoux und sein Team fordern und fördern den deutschen Lehrling mit strenger Hand. Hier lernt er Demut und Respekt – und die Kunst des Kochens. Der mit Bravour bestandenen Ausbildung folgen weitere Stationen in Frankreich. Lohse kocht unter Guy Savoy, einem mit drei Sternen dekorierten Koch, in Paris sowie unter Charles Barrier, auch dieser mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, in Tours. Danach heißt es: „Adieu France“.

Über Stationen in Deidesheim, London, Vézelay und Hannover landet Lohse schließlich wieder in der Heimat. In Bad Oeynhausen eröffnet er sein erstes eigenes Restaurant und erkocht sich zwei Michelin-Sterne. Irgendwann reift in ihm Erkenntnis, dass er für das Leben auf dem Land nicht gemacht ist. Es folgt: der konsequente Umzug nach Berlin.

Lohse in Berlin

Lohses Berliner Jahre beginnen 2002 mit einer zweijährigen Episode im Schlosshotel Grunewald. Seit 2004 ist er Chef de Cuisine im „Fischers Fritz“, dem Restaurant des renommierten Hotel Regent. Er fühlt sich wohl, im Restaurant und in der Stadt. Und er hat die Symbiose vollzogen zwischen einer stur-toleranten Heimatverbundenheit und der weltoffen-bunten Mentalität der Hauptstadt.

Der Koch Christian Lohse mag keinen heißen Brei – weder auf dem Teller noch zum Drumherum reden. Seine direkte Art empfinden manche als barsch, dabei geht es ihm in erster Linie um Präzision und Effizienz. Vor allem in der Küche. Warmherziges Poltern gehört ebenso zu ihm wie strenges Lob. Stets hart in der Sache, wird Lohse niemals persönlich oder gar verletzend. Ehrlichkeit, Fleiß und Demut sind die Tugenden, die ihm zu seinem Erfolg verholfen haben. Lohse mag Fußball (Arminia Bielefeld) und Musik (von Klassik über Metallica bis Techno). Und er liebt Kochbücher, die ihm als Quell der Inspiration und zur Abschreckung dienen.

Dass ein Zwei-Sterne-Koch sein erstes eigenes Kochbuch dem scheinbar banalen Thema Suppen widmet, erscheint ungewöhnlich. Dass Christian Lohse sein erstes Kochbuch dem Thema Suppen und Eintöpfe widmet, folgt seiner tiefen Überzeugung: Der große Zauber liegt in den einfachen Dingen – wenn man sie nur richtig macht.